Als verlorenes Jahrzehnt wird im Finanzbereich ein langer Zeitraum bezeichnet, in dem ein Anleger trotz Marktteilnahme kaum oder gar keinen Ertrag erzielt hat. Für den MSCI World Index lässt sich diese Phase anhand des Renditedreiecks für die Einmalanlage genau bestimmen. Im Folgenden wird gezeigt, wann sie begann, wie lange sie tatsächlich dauerte und weshalb ein monatlicher Sparplan dieselbe Phase deutlich anders erlebt hat.
Datenbasis
Alle Werte stammen aus den Renditedreiecken für den MSCI World Index (2001 bis 2023) und sind durchschnittliche Jahresrenditen in Prozent. Steuern und Kosten sind darin nicht enthalten. Die Einmalanlage wird am Jahresanfang gekauft, der Sparplan wird monatlich am 01. ausgeführt; verkauft wird jeweils am Jahresende.
Zwölf Jahre ohne Ertrag
Das Renditedreieck für die Einmalanlage beginnt mit zwei Verlustjahren in Folge: 2001 betrug die Jahresrendite -12,30 %, 2002 sogar -32,02 %. Wer zu Beginn des Jahres 2001 in den MSCI World Index investierte, musste anschließend lange auf eine positive Bilanz warten. Bei einem Kauf im Jahr 2001 blieb die durchschnittliche Jahresrendite für alle Verkaufsjahre von 2001 bis 2012 negativ. Selbst bei einem Verkauf am Ende des Jahres 2012 lag die durchschnittliche Jahresrendite dieser Einmalanlage bei -0,18 %. Streng genommen handelt es sich also um mehr als ein Jahrzehnt: Zwölf aufeinanderfolgende Verkaufsjahre blieben im negativen Bereich.
Bemerkenswert ist die Rolle des Jahres 2008. Mit -37,64 % wurde in diesem Jahr die niedrigste Jahresrendite des gesamten Betrachtungszeitraums erzielt. Der Einbruch fiel mitten in diese zwölfjährige Phase.
Der Startzeitpunkt entscheidet
Wie stark die Wahl des Kaufjahres das Ergebnis prägt, zeigt die folgende Gegenüberstellung für die Einmalanlage.
| Kauf | Verkauf | Durchschnittliche Jahresrendite |
|---|---|---|
| 2001 | 2012 | -0,18 % |
| 2007 | 2014 | 5,10 % |
| 2001 | 2023 | 5,43 % |
| 2009 | 2023 | 12,41 % |
Der Kauf im Jahr 2001 und der Kauf im Jahr 2009 enden beide im Jahr 2023, unterscheiden sich in der durchschnittlichen Jahresrendite aber um knapp sieben Prozentpunkte. Bei einem Kauf im Jahr 2009 blieb die durchschnittliche Jahresrendite für jedes der 15 Verkaufsjahre bis 2023 positiv. Das verlorene Jahrzehnt und die anschließende Aufschwungphase liegen im Renditedreieck somit direkt nebeneinander.
Der Sparplan erlebt dieselbe Phase anders
Beim monatlichen Sparplan mit dem 01. als Ausführungstag blieb die durchschnittliche Jahresrendite bei einem Kauf ab 2001 nur bis zum Verkaufsjahr 2004 negativ, also vier Jahre lang. Sie lag dann bei -1,42 %. Über den gesamten Zeitraum von 2001 bis 2023 erzielte dieser Sparplan 8,94 %, die Einmalanlage dagegen 5,43 %. Ein wesentlicher Grund für die Differenz liegt in der Berechnung: Beim Sparplan wird die interne Zinsfußmethode verwendet, und die Einzahlungen verteilen sich über die Jahre. Die Kurse der Krisenjahre trafen daher nur ein vergleichsweise kleines Kapital, während spätere Einzahlungen zu niedrigeren Kursen erfolgten.
Umgekehrt zeigt sich der Effekt im Aufschwung: Für 2009 bis 2023 erzielte die Einmalanlage 12,41 %, der Sparplan mit dem 01. als Ausführungstag 11,42 %. Wer früh einen größeren Betrag investiert hatte, profitierte stärker von der Erholung.
Fazit
Das Renditedreieck macht sichtbar, dass eine negative Phase beim MSCI World Index über ein Jahrzehnt andauern konnte. Gleichzeitig verdeutlicht der Vergleich mit dem Sparplan, dass die Art der Anlage und der Startzeitpunkt das Ergebnis maßgeblich bestimmen. Die dargestellten Werte beruhen auf historischen Zeiträumen, künftige Verläufe können abweichen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageempfehlung oder -beratung.